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Bischöfe haben die Nase voll von Hassmails

EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm

Vor einer Verwahrlosung der Sozialen Medien warnt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Soziale Netzwerke drohten zu "asozialen Medien" zu werden, erklärte er in seiner Predigt am Buß- und Bettag in München. Hass habe es zwar schon immer gegeben, aber in den sozialen Medien würde er sich gerade wie ein Virus verbreiten. "Nicht mehr Verständigung ist das Ziel, sondern Verurteilung, Verdammung und manchmal richtig gehender Hass."

Menschen in öffentlicher Verantwortung, besonders Politiker, seien "Angriffen ausgesetzt, die nichts mehr mit demokratischem Diskurs zu tun haben", fügte Bedford-Strohm hinzu: "Man will anscheinend nichts mehr voneinander lernen, oder sich zuhören und austauschen, sondern es geht darum, sich zu bekämpfen, manchmal sogar ums Vernichten." Wenn Menschen in der Politik einen Fehler machten, "dürfen sie auf keine Gnade hoffen", so Bedford-Strohm. "Sie müssen mit Häme, Spott oder sogar mit Verachtung rechnen. Umso schwerer fällt es, Fehler zuzugeben. Wollen wir diese Gnadenlosigkeit im Umgang miteinander?"

Gefährdung der Demokratie

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat selbst schon derartige Anfeindungen erlebt. Er habe das Gefühl, verbal geschossen werde vor allem gegen jedes Statement zum Thema Islam, Homosexualität und Populismus. Er war angegriffen worden, weil er sich für nicht-christliche Flüchtlinge eingesetzt hatte. Eine ähnliche Erfahrung hatte zuletzt der Erzbischof Ludwig Schick gemacht, als er erklärt hatte, dass nach seiner Vorstellung auch ein Muslim Bundespräsident werden könne. Per Mail wurde ihm daraufhin mit dem Tode gedroht.

Die Bischöfe warnen vor der Gefährdung der Demokratie durch Hasskommentare. Menschen Morddrohungen zu schicken, habe nichts mehr mit politischem Diskurs zu tun. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat zusammen mit seinem Bistum deshalb beschlossen, strafrechtlich relevante Kommentare künftig den Behörden weiterzuleiten, damit die Verfasser verfolgt werden können. Die Bischöfe appellieren an jeden, offener, freundlicher und auch nachdenklicher mit seinen Mitmenschen umzugehen.

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