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So war die erste #besserstreiten-Veranstaltung

Beim Thema Sexualkundeunterricht kochen die Emotionen hoch. Es gibt den neuen Lehrplan für Sexualkunde in Hessen, Stichwort: Akzeptanz von sexueller Vielfalt. Darüber wurde auch auf der hr-iNFO-facebook-Seite heftig gestritten. Klarer Fall für #besserstreiten. StreitEngel hatte eingeladen, ganz analog an einem Tisch über die digitale Debatte zu reden.

„Mehr Sachlichkeit und Zuhören“ – das wünscht sich hr-iNFO-Hörer Gunther Dreß für Auseinandersetzungen in den sozialen Netzwerken. Bei der ersten #besserstreiten-Veranstaltung im Hessischen Rundfunk hat das immerhin geklappt. In der kleinen Diskussionsrunde, ganz analog auf Sesseln um einen Tisch herum, hat funktioniert, was in den digitalen Medien oft gar nicht mehr geht: Gedankenaustausch, Argumentieren, Zuhören.

Warum geht das nicht auch im Netz? „Meine Erfahrung ist die, dass schriftliche Kommunikation, sobald man das Gegenüber nicht mehr sieht, einen ganz anderen Tonfall hat als im persönlichen Gespräch“, sagt Gunther Dreß. Besonders wenn es um so heikle Themen geht wie dem hessischen Lehrplan Sexualerziehung, der erstmals die „Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen“ zu einem Ziel des Unterrichts erklärt. Darüber wurde online sehr heftig diskutiert, allerdings: Diejenigen, die auf der iNFO-Seite durch sehr harte und teilweise unsachliche Kritik auffallen sind, sind bei der klassischen Diskussionsrunde nicht dabei. Trotz Einladung. Gunther Dreß bedauert das, sagt, er hätte sich gerne mit der "Gegenseite" auseinander gesetzt und Argumente ausgetauscht.

Anonymität und schneller Rückzug

Manuel Wüst, der sich in Wiesbaden für die Rechte Schwuler und Lesben engagiert, hatte auch keine Angst vor einer heftigen – ganz realen Auseinandersetzung. Wobei die Frage bleibt, ob die reale Diskusion so ausgeartet wäre wie die zuvor im Netz. Denn, "natürlich wird auf Facebook eher mal etwas geschrieben, was ich im Alltag nicht so sagen würde", so Wüst.

Was Dreß und Wüst umschreiben, mündet schnell in einem Wort: Anonymität. Die Tatsache, dass man im Netz nicht weiß, wer einem da gegenüber sitzt. Das Netz bietet aber noch einen anderen „Vorteil“ – nämlich die Möglichkeit, sich mit einem Klick aus einer Diskussion zu verabschieden, wenn’s ungemütlich wird. Im realen Aufeinandertreffen ist das eben nicht so und genau dem wollen sich viele nicht aussetzen, glaubt Manuel Wüst: „Für mich ist es die teilweise auch berechtigte Angst der Gegenseite, dass man mit Fakten und Argumenten widerlegt werden könnte. Das versuchen wir zwar immer wieder auf facebook, aber dort kann man besser ausweichen, als dass im Gespräch von Angesicht zu Angesicht der Fall ist.“

"Wir stehen noch am Anfang"

hr-iNFO Hörer Dirk Hoyer hat sich für Diskussionen um Internet selbst - schön altmodisch - Benimm-Regeln gegeben: „Ich poste das genauso, als würde ich dem anderen gegenüber sitzen und ihm das ins Gesicht sagen.“ Auch wenn es bei der ersten #besserstreiten-Veranstaltung zu keinem wirklichen Streit zwischen den Gesprächspartnern kam, war es ein spannender Austausch darüber, wie in den sozialen Netzwerken miteinander umgegangen wird - für alle Beteiligten ein Schritt in Richtung #besserstreiten. Doch Gunther Dreß glaubt nicht, dass diese Atmosphäre auch ins Netz übertragen werden könne. Eigene Erfahrungen hätten gezeigt, dass auch nach einem persönlichen Treffen im "Netz wieder die Fetzen geflogen sind".

Für Moderatorin Alice Engel, alias StreitEngel ein Hinweis, dass das #besserstreiten-Projekt noch viel Arbeit vor sich hat: „Ich habe mitgenommen, dass man, wenn man sehr achtsam und sensibel ist, sehr gut miteinander streiten und auf einer Augenhöhe miteinander sprechen kann, ohne dass man jemals einer Meinung wird, ohne dass man einen Konsens am Ende hat. Aber wir sind noch am Afang und ich freue mich auf ganz viele Sachen, die da noch kommen können.“

Mitdiskutieren: Nur Feiglinge auf Facebook, die sich in realen Diskussionen nichts trauen?

1 Kommentar

  1. Wir brauchen eine veränderte Denkweise. Solange wir uns weiter auf einer moralischen Streitebene begegnen wird es immer wieder schwierig sein gemeinsame Nenner beim Streiten zu postulieren. Wenn wir aber bereit sind gewaltfrei zu streiten, dann kommen wir zu Empathie und Verstehen wollen was der Andere will. Ich wünschte mir so sehr dass Sie sich für die Gewaltfreie Kommunikation interessieren, die uns allen Frieden bringen kann.

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